Eigene Lyrik, Fotos und Bilder




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18. Januar 2007

Im Sturm


Während unseres Abendspazierganges knickte der Sturm die alte Zeder unseres Nachbarn wie ein Streichholz.
Als wir zurück kamen, lag der Baum genau dort, wo wir hergegangen waren. Er muss wenige Minuten später gefallen sein, nachdem wir dort waren. Wir hatten einen Schutzengel.


Gepeitschte Baumwipfel
unter dem grollenden Himmel,
fliegende Unordnung:
ein leerer Blumenkübel,
eine vergessene Plane,
in die Gedanken geweht,
ein loser Dachziegel,
dazwischen die leichtflügeligen Vögel,
-schwerelos -
und ich
und der Hund,
voll des Wunders,
dass uns die Erde hält,
in all dem Sturm
und peitschenden Regen,
dass nicht auch wir fliegen
mit den vergangenen Blättern
und eilen,
mit dem Bach,
der über die Ufer tritt
und mitreißt,
was unhaltbar ist.
Nur die alte Eiche
erinnert sich
des lange Vergessenen
und steht still
und unbeugsam
im Sturm.

(c) Annette Gonserowski

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