Eigene Lyrik, Fotos und Bilder




Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.








31. Januar 2007

Mein Lachen


(c) koko - Annette Gonserowski

Mir ist das Lachen
abhanden gekommen,
es versank
in dem Schweigen.

Darin ist alles:
die einstige Nähe,
die Ferne,
das Vergangene,
das Bleibende,
das Unausgesprochene,
das dadurch
die Wahrheit
nicht verliert.

Mir ist das Lachen
abhanden gekommen,
als Du schwiegst.

(c) Annette Gonserowski

Traumverlust


(c) koko - Annette Gonserowski


Auf diesem See im Moor
kenterte ihr Schiff aus Träumen
in sternklarer Nacht,
nahm ihre Sehnsucht
mit in dunkle Tiefen.
Die Birke,
die Schuldlose
im erwachenden Licht,
spiegelte weiß
ihre Trauer
ins Grundlose.

(c) Annette Gonserowski

30. Januar 2007

Nie

Nie
darf ich
Dir diese Worte sagen,
weil sie ausgesprochen
diesen Tag nicht überleben.
Nie
Dir die Gefühle zeigen,
weil sie offenbart verletzbar sind.
Nie
darf ich Dir meine Nähe zeigen,
weil Du Dich dann von mir entfernst.
Aber wie
die Augen nicht leuchten lassen?


(c) Annette Gonserowski

29. Januar 2007

Nur ein Fliehen

Ich möchte an manchen Tagen
meine Seele tragen fort
an einen fernen, fremden Ort,
wo die Zeichen keinen Namen tragen.

Möchte sie hinüberführen
in die namenlosen Zeiten,
möchte in unendlichen Weiten
nur die Stille um mich spüren.

Ach, es wäre nur ein Fliehen
vor der mir verwandten Seele,
die mir nahe ist wie keine.

Die Gedanken würden mit mir ziehen
und es würde mir so fehlen,
diese Seele, diese eine.

(c) Annette Gonserowski

28. Januar 2007

Eisige Zeit

Ivan der Schreckliche

Er begegnete mir an einem Abend.

Ein leiser Windhauch strich durch meine Haare, als er über mir flog. Wenige Meter von mir entfernt landete er auf einem Zweig des hohen Lebensbaumes, der in der Nähe des gemauerten Pfeilers unserer überdachten Terrasse steht. Er drehte mir den Kopf zu, neigte ihn ein wenig zur Seite und beäugte mich aus seinen dunklen Knopfaugen. Aus seinem Schnabel ragten rechts und links lange Strohhalme hervor. Er schien mich zu kennen. Offensichtlich beschied er , dass ich keine Gefahr für ihn darstellte, denn im nächsten Augenblick hüpfte er durch die Zweige der Tuja und verschwand im dichten Grün. Wenig später raschelte es zwischen den Zweigen, sein dunkles Köpfchen schaute hervor und schon flog er in Richtung der Wiese davon.

Von nun an weckte mich sein Lied an jedem Morgen. Mit geschlossenen Augen lauschte ich in die Dunkelheit, liess mich von den Tönen des kleinen gefiederten Sängers aus den Träumen tragen, hinein in das Wachen.

Wenige Tage später bog ich vorsichtig die Zweige auseinander. Und wirklich: er hatte ein Nest gebaut in der Astgabel, ganz nah an dem dicken Stamm der schlanken Tuja. Es lag versteckt zwischen dichten Zweigen, geschützt vor Regen und Sturm. Ich fand eine lichte Stelle, durch die ich auf das Nest schauen konnte, ohne die Zweige berühren zu müssen. Nun schaute ich jeden Tag. Sein Lied hatte nicht nur mich betört, sondern eine scheue, braungefiederte Vogelfrau saß nun auf dem Nest und schaute mich abwägend an. Sie gewöhnte sich an mich. Manchmal verließ sie für einen Moment das Nest. Da konnte ich sehen, dass vier gesprenkelte Eier darin lagen.
Zwei Wochen später waren die Jungen geschlüpft. Kleine atmende Wesen, der Flaum noch kaum sichtbar, mehr Eidotter als Vogel, lagen im Nest. Emsig flogen nun Vateramsel und Mutteramsel auf Futtersuche. Mit Schnäbeln voller fetter Regenwürmer kehrten sie zurück, stopften sie in die weitaufgerissenen Schnäbelchen der Jungen. Die waren hungrig und sperrten die Schnäbel auf, kaum das sie den Flügelschlag der nahenden Eltern vernahmen.
Wenn ich abends kurz vor dem Schlafengehen mit dem Hund noch einmal an den Apfelbaum auf der Wiese ging, warf die Aussenlampe am Pfeiler ihren Schein durch die Zweige des Lebensbaumes. Meist saß Mutteramsel auf dem Nest, schaute mich unverwandt an.
Nun trug ich mit ihr die Sorge um die heranwachsende Brut. Voller Unruhe lauschte ich dem Schrei der Krähen, die nahe unseres Grundstückes ihr Nest in der hohen Krone des Kirschbaumes gebaut hatten. Das Elsternpaar, das auf unserem Grundstück Nahrung suchte, hielt ich mit Argusaugen im Blick. Wenn sie in die Nähe der Tuja hüpften, schritt ich ein, trat hervor, so dass sie erschreckt vondannen flogen. In einen großen Blumentopf stellte ich eine Vogelscheuche, die die stolz den alten Hut des Vaters trug, stellte den Topf in die Nähe des Herbergsbaums. Nach wenigen Tagen hatten sich alle Vögel an die Scheuche gewöhnt, landeten zwitschern auf ihrem Haupt. Nun wickelte ich Maschendraht um den Baum. Das Drosselpaar beobachtete dies genau, flug nun ein und aus durch den Spalt, der zur Terrasse hin geöffnet war. Die Vöglein wurden flügge, verließen das Nest bei meiner Abwesenheit.

Kurze Zeit später lagen wieder Eier in dem Nest. Mutteramsel nahm ihren Platz ein.
An einem Abend, als ich im Lichtschein der Außenlampe Mutteramsel in die Augen schaute, schien es mir, als ob sie beunruhigt war. Ich wünschte ihr eine gute Nacht und ging mit dem Hund in das Haus.

Als ich am anderen Morgen an die Tuja trat, war das Nest leer, braune Federn lagen um den Baum herum gestreut. Ich verfluchte die Katzen des Nachbarn, die in scheinbar schläfriger Gleichgültigkeit in der Sonne lagen. Sie hatten ganze Arbeit geleistet. Mutteramsel war tot.
Tagelang saß der Amselmann auf den Zweigen des Apfelbaums. Ich trauerte mit ihm.
Wenn ich zu ihm sprach, legte er den Kopf auf die Seite und lauschte.

Nun ist Winter geworden.

Der Futterplatz der Vögel wird täglich reichlich gefüllt. Sonnenblumenkerne, Fettfutter, Rosinen, Äpfel werden gerne angenommen. Ein Dompfaffpärchen, Rotkehlchen, Blau- und Haubenmeisen, Spatzen und Amseln picken munter die Kerne, die im Futterhäuschen und auch darunter auf dem Boden verteilt wurden. Es ist ein Mit- und Gegeneinander, Rangordnungsrangeleiern werden ausgetragen.

Ein Vogel fällt auf. Er hat die Herrschaft übernommen. Unermüdlich scheucht er die Vögel fort, die sich von den Futterstellen am Boden laben möchten. Er hüpft nach rechts und nach links, hüpft um den großen Blumentopf herum, in dem die Vogelscheuche, nun schon in die Jahre gekommen, ihre Mütze schief herunterhängen läßt. Die Vögel fliegen erschreckt auf, wenn er sich ihnen nähert, um sofort wieder angefllattert zu kommen, wenn er ihnen den Rücken zudreht. Er hat viel zu tun, kaum dass er selbst zum Picken kommt.

Ich habe ihn wiedererkannt. Ein kleiner weißer Fleck auf seinem schwarzen Gefieder fällt auf. Es ist mein Amselmännchen, dass den Futterplatz in der Nähe der Tuja verteidigt. Er hat hier Hausrecht.

Lächelnd schaue ich ihm zu und nenne ihn liebevoll Ivan den Schrecklichen. Er fliegt nicht fort, wenn ich das Futterhäuschen fülle, legt den Kopf lauschend schräg, wenn ich ihn beim Namen nenne.

Wir sind uns vertraut.

(c) Annette Gonserowski

Nicht einfach

Es ist nicht so einfach,
einfach zu leben,

die Klarheit
klar zu benennen,
in der Nähe
Distanz zu halten,
in der Distanz
die Nähe zu bewahren,
zu lassen
und nicht zu verlieren,
Dich nicht,
mich nicht,
doch uns zu finden,

und die Traurigkeit
mit einem Lächeln
zu begrenzen.

(c) Annette Gonserowski

26. Januar 2007

Meinerzhageners Fußgängerzone





























Zur Einkaufszeit am Donnerstag um 17.30 Uhr

Unpassierbar

Deine Worte

Deine Worte
nehme ich mit
aus dem Traum
in den Tag.
Ein Pendel
aus Worten.
Es schlägt
zu den Stunden,
zum Herzen,
zum Glück,
zu der Traurigkeit,
es schwingt
weiter
vor
und zurück,
unendlich.

(c) Annette Gonserowski

25. Januar 2007

Spuren



Ein jeder Mensch läßt Spuren im Lebens eines anderen Menschen.
Manchmal leider frostige...

Annette

Schneestand am Mittag

24. Januar 2007

22. Januar 2007

Möwen im Sturm

Mit fallenden Winden
von den Klippen,
unter den Flügeln
Freiheit,
schwereloses Segeln
hoch über Gischt und Meer,
Lachen
im Sturm.

(c) Annette Gonserowski

Nach dem Sturm



Zerbrochenes



Fließendes


(c) Annette Gonserowski

20. Januar 2007

Am Tag nach dem Sturm












(c) Annette Gonserowski

Mittagsspaziergang

Freund


Rosalva (c) koko- Annette Gonserowski


für Andreas

Du an meiner Seite,
Freund,
verstehender,
umarmender,
tröstender
Gleicher,
getrösteter,
umarmter,
verstandener,
geliebter
Freund.

geschrieben in Wien
(c) Annette Gonserowski

19. Januar 2007

Nach dem Sturm

Nach dem Sturm
auf den Straßen
das Überflüssige,
das Nichthaltbare:
umgekippte Mülleimer,
entwurzelte Bäume,
gelöste Dachziegel,
Blätter
mit den Worten von Gestern.
Dazwischen der Mensch,
ratlos
und geschockt
von seiner Winzigkeit.

(c) Annette Gonserowski

Während des Sturms

Zwischen mir
und dem Sturm
eine dünne Fensterscheibe.

Vor ihr
Bäume, sturmgepeitscht,
gesperrte Straßen
und Gefahr.

Hinter ihr
ich, lauschend dem Sturm,
in scheinbarer Sicherheit
und Unbehagen.


(C) Annette Gonserowski

Im Sturm

Unpassierbare Straßen,
geschlossene Bahnhöfe,
gesperrte Flughäfen,
verriegelt mit Flutbarrieren
die Seehäfen.
Kein Fortkommen mehr.
Der Mensch ist gefangen
am beliebigen Ort.
Entfesselter Sturm,
unbändige Wasser
zeigen ihm seine Winzigkeit.

(c) Annette Gonserowski

18. Januar 2007

Im Sturm


Während unseres Abendspazierganges knickte der Sturm die alte Zeder unseres Nachbarn wie ein Streichholz.
Als wir zurück kamen, lag der Baum genau dort, wo wir hergegangen waren. Er muss wenige Minuten später gefallen sein, nachdem wir dort waren. Wir hatten einen Schutzengel.


Gepeitschte Baumwipfel
unter dem grollenden Himmel,
fliegende Unordnung:
ein leerer Blumenkübel,
eine vergessene Plane,
in die Gedanken geweht,
ein loser Dachziegel,
dazwischen die leichtflügeligen Vögel,
-schwerelos -
und ich
und der Hund,
voll des Wunders,
dass uns die Erde hält,
in all dem Sturm
und peitschenden Regen,
dass nicht auch wir fliegen
mit den vergangenen Blättern
und eilen,
mit dem Bach,
der über die Ufer tritt
und mitreißt,
was unhaltbar ist.
Nur die alte Eiche
erinnert sich
des lange Vergessenen
und steht still
und unbeugsam
im Sturm.

(c) Annette Gonserowski

In Erwartung des Sturms

In Erwartung des Sturms
trug ich in das Haus:
die Bank,
die unter dem Kirschbaum stand,
die Blumenkübel,
den Engel
aus dem Magnolienstrauch.
Ich sicherte
Fenster und Türen.

Nur mein Herz
barg ich nicht,
es ist bereit
für den Sturm,
voller Erwartung.

(c) Annette Gonserowski

Dies schrieb ich am Morgen. Nun tobt der Sturm um das Haus. Und es ist bedrückend, die Gewalt der Natur zu spüren.

17. Januar 2007

Bruchstücke


Kastanienrinde, auseinandergebrochen

16. Januar 2007

Im fremden Zimmer




Wirklich - diese Bilder wurden gerahmt und hängen nun bei Rosalva Godim....

Du bist bei mir
vielleicht in den Gedanken,
vielleicht in der Note eines Liedes,
vielleicht im Käfer,
der auf Silberfäden zur Blüte eilt,
vielleicht im Sonnenstrahl,
der weißen Wolke
oder in dem Brief,
den Du liest.
nachts auf Deinem Bett
im fremden Zimmer.

(c) Annette Gonserowski


15. Januar 2007

Rhetorisch




Vertrauen...,
sagst Du -
das ist mir vertraut.
Vertraust
Du mir,
Vertrauter?

(c) Annette Gonserowski

Blühen



Blühender Haselnuss-Strauch an meinem heutigen Weg.

(c) Annette Gonserowski

Morgen




Zwischen den Wolken
die Sehnsucht vergangener Stunden,
zwischen den Zweigen der Esche
die nächtlichen Raben,
über den Dächern
der erwachende Morgen,
inmitten des Morgenrots
ich,
in mir
die Freude
auf den beginnenden Tag.

(c) Annette Gonserowski

In der Ausstellung Galerie Anschnitt, Dortmund


Mein Kunstobjekt in der Ausstellung

Wenn der Blick
erwidert wird,
Worte nicht
im Nichts verhallen,
wenn Verstehen
auf Verstehen trifft,
Vertrauen
Fesseln von der Seele löst,
dann beginnst Du,
Du zu sein.

(c) Annette Gonserowski

Es trifft im besonderen Maß auf die gestrige Ausstellung zu.
Es war schön, im Kreis von Freunden zu sein und neue Menschen kennenzulernen,
mit denen das Gleiche verbindet: die Liebe zur Kunst, zum Leben.

Annette

13. Januar 2007

Mahl mit Freunden

Wir saßen beisammen,
reichten uns Hände
und Speisen
und Wein.
Wir schenkten uns
Lächeln
und Worte,
Verstehen.
Wir saßen beisammen,
gelöst und
vertraut.

(c) Annette Gonserowski

Geliebter Zwilling




für Ulrich

Du warst mit mir,
bevor ein Mensch
uns sah.
Du teiltest mit mir
Raum und Enge
und die Zeit.
Warst mit mir Kind,
warst mit mir Jugend,
bist jetzt mit mir.
Bist ein Gedanke,
ein Empfinden,
Du bist mir nah.
Und bist Du räumlich fern,
so such ich Dich
in jedem Menschen.

(c) Annette Gonserowski

Wagnis


(c) Bettina von Garrel, mit freundlicher Genehmigung


Rück-Blick

Verpasste Chancen
Leben und Liebe lauwarm
Träume nicht gelebt.

Augen-Blicke verzaubern
wie die Kugel die Hexe.

© Rosalva Godim
Heute morgen wurde ich wach mit dem Gedanken an meine Freundin Rosalva.
Mir ging ihr Gedicht nicht aus dem Kopf, das vom lauwarmen Leben erzählt.

Sie berührte mich mit ihren Worten. Kennen wir nicht alle Momente, in denen wir glauben, nicht wirklich zu leben?

Ich dachte nach, wie mein Leben ist.
Mein Leben empfinde ich glühend - kaum, dass Zeit bleibt, all das zu machen oder aufzunehmen oder weiterzugeben, was ich möchte. Intensiv, wäre das andere Wort.

Aber da kam mir der Gedanke, wie sehr man sich oft wünscht, ein Mensch wäre im Innern so nah, wie eben nur möglich.

"Eben nur möglich" ist dies aber nicht. Mittlerweile bin ich sicher, dass jeder Mensch einsam bleibt.

Ich glaube sicher, dass das Leben in uns ist, fast wie ein Monolog.
Wieviele Gedanken denken wir unermüdlich! Wie wenige geben wir davon preis. Wie wenige Gedanken erfahren wir von dem Menschen neben uns?

Es ist Glück, einem Menschen zu begegnen, der ähnlich fühlt und man Nähe spürt. Ein jeder in seiner Einsamkeit.
Es ist Glück, einen Partner an seiner Seite zu haben, der Liebe und Wärme vermittelt.
Ich habe dieses Glück. Und ich wünsche mir, dass er weiß, dass ich ihn liebe. Auch in dem Wissen, dass es schwer ist, einem Menschen alles zu sein.

Ich glaube aber auch, dass mein Zwilling der Mensch ist, der mir für mein Leben zur Seite gestellt wurde, mit dem ich im Werden zusammen war. Ich glaube zu wissen, dass er ebenso fühlt.

Ich dankbar, Freunde zu haben, die mich gern haben und die ich gern haben darf. Ich bin dankbar für die Wärme, die ich spüre, wenn ich mit ihnen zusammen bin oder an sie denke.

Ich glaube aber auch, dass die Wärme, von der man wünscht, dass sie umhüllt, nur in uns zu finden sein kann.
Ich weiß nicht, wie lange wir sie behalten können und ob sie uns irgendwann auf dem Weg zum Ende hin verloren geht.
Ich denke oft darüber nach, wie dieser Schritt über die Schwelle, wie Ernst Meister es formulierte, sein wird. Das wird der einsamste Moment unseres Lebens sein: wenn wir endgültig gehen werden.

Oft, wenn ich glücklich bin, gar mit dem Auto unterwegs bin, durch meine wunderschöne Heimat fahre, von einem Ziel zum anderen, schaue ich von einer Anhöhe auf die sich ausbreitenden Berge des Sauerlandes. Sehe sie nur noch als Haut unserer verletzlichen Erde. Dann bin ich dennoch glücklich, fühle mich stark wie ein Baum, der hier wurzelt. Dann denke ich manchmal: das wird noch sein, wenn all die Menschen, die jetzt hier leben, gegangen sind. Selbst wenn Krieg und Umweltkatastrophen einmal unsere Erde zerstören sollten, dann werden sie bleiben, diese Hügel, die mir jetzt Heimat sind.

Irgendwo schön, diesen Gedanken an das Bleibende zu bekommen und zu wissen: es gibt dieses Bleibende, auch wenn wir es nicht sind.

Manchmal fällt es leicht, dies zu denken, manchmal voll Bedauern.
Ich kann nun Ernst Meister in seinen Gedanken verstehen. Mein Dichtervorbild, dessen reduzierte Worte ich bewundere.
Und doch: nach dem Lesen des Buches von Gabriele Wohmann wird auch er *nur* zum Menschen, verläßt den Sockel und wird Suchender.

Suchende sind wir alle - ein Jeder auf seine Weise.

Kürzlich befuhr ich eine Nebenstrecke, nicht einmal zwanzig Kilometer von meinem Wohnort entfernt. Ich durchfuhr ein Stück Landschaft, in der ich noch nie vorher war. Da wurde mir bewußt, wie wenig wir kennen. Wir kennen in der Hauptsache das, was rechts und links der großen Straßen ist: hier ein Stücken, dort ein Stückchen. Ein Bruchteilchen dessen, was unsere Erde bereit hält. Um jedes Flecken zu berühren, reicht ein Menschenleben nicht. Und wir: wie klein sind wir dagegen. Wie kurz ist unser Leben.

Wieviele Wege gingen und gehen wir. Wieviele Menschen begegneten und begegnen uns.

Und dann denke ich: Menschen, die mich verlassen haben, sie bleiben in meinem Leben und ich in ihrem, wie die wunderschönen, vielfältigen Steine an dem Lebensweg. Und jeder Gedanke, den ich schreibe, erreicht ungelesen sein Ziel.

Und wenn sie Monolog bleiben: sie bringen Nähe und Klarheit.

Ich schreibe diese Worte in den Blog, voll Zögern. Es ist ein Wagnis, sie nicht zum Gedicht komprimiert und unverschlüsselt zu veröffentlichen.

Ich wage es.

Carpe diem.

Annette

Dichterklause







Dichterklause, Atelier, Gartenhaus und hin und wieder Gästehaus

Mit den Bäumen und Sträuchern wurzel auch ich hier und schöpfe Kraft und Inspiration.

11. Januar 2007

Hinweise

Während der Sturm um das Haus tobt, möchte ich auf neue oder neu gefüllte Blogs meiner Freunde hinweisen:

Rosalva Godim, mein Dichterschwesterlein, hat nun einen Blog.
Er ist seit heute im Netz. Ganz jungfräulich mit einem ersten Gedicht.

Christophes Blog ist seit einigen Tagen im Netz. Ein Blog zum Träumen. Aber nicht nur beim Besuch seiner Seite ist er mir nah.

Auch Claudia Ackermann, meine liebe Freundin, Vertraute und Mallehrerin (ja soviel kann ein Mensch für einen anderen Menschen sein) hat wieder viel Neues und Wunderschönes auf ihrem Blog zu bieten.

Und Ursula Pahnke-Felders Blog nicht zu vergessen.
Ein Besuch ihrer Seite ist eine Grenzüberschreitung, in jeder Beziehung.
Am Sonntag werden Claudia und ich sie mit Haut und Haaren kennenlernen. Wir freuen uns darauf.

Gerhard Rombach, Altmeister in Sachen Dichtung, ist auf seinem Blog auch immer wieder für eine Überraschung zu haben.

Fred Hoelders Blog: eine Vielfalt ohne Gleichen und mein ganz geheimer Geheimtipp. :-)))

Last but not least: Christine hat auch neue Bilder auf ihrem Blog!!!

Ein Besuch dieser Seiten lohnt sich ganz sicher und ist eine Bereicherung jeden Tages.

Viel Freude beim Stöbern.

Annette

10. Januar 2007

Morgenrot


(c) Annette Gonserowski


Morgenrot
scheint durch die Zweige,
fällt auf Dächer,
lichtet die nachtdunklen Fenster,
färbt Mauern rot
und Straßen.

Hier lebe ich,
hier lebst auch Du,
Freund,
bist Engel
an meinem Weg.

© Annette Gonserowski

Kunstvoll


calla (c) koko - Annette Gonserowski

Er malt die Farben,
hängt bunte Bilder
in tagschwarze Räume,
legt kunstvoll ein Lachen
in das Gesicht.

Sie tauscht dagegen die Träume,
trägt schillernde Farben
in schneeweiße Nächte,
berührt mit sanften Fingern
die Sehnsucht.

Sie mischen die Farben,
die Bilder und Träume,
färben bunt
einen Tag
und die Nacht.

(c) Annette Gonserowski

7. Januar 2007


Bei Freunden:
hoheitsvolle Katzen: Marceline und Kicki

Dreikönigskuchen



Dreikönigskuchen - Galette des Rois

Er ist rund wie die Sonne,
Goldig wie das Licht,
Lässt sich wie das Buch blättern;
Ein Figürchen steht für Weisheit.
Unsere Freunde sind heute
unsere Könige.

(c) Christophe Bossu


Heute erhielten wir eine Einladung zum Kaffee bei unseren Freunden.

Zum ersten Mal konnte ich einen köstlichen Dreikönigs-Kuchen essen, der nach original französischem Rezept selbst gebacken wurde. In ihm war eine kleine Porzellanfigur versteckt, die zufällig (?) in meinem Kuchenstück verborgen war. Fortan sass ich mit einer Krone, zur Königin gekrönt, an der Kaffeetafel.

Einen kleinen Dreikönigskuchen durften wir mit nach Hause nehmen, und einen Auszug aus dem Gedicht, das Christophe hierzu schrieb.

Danke! Es war wieder ein wunderbarer Nachmittag!

Annette