Gestern erreichte mich die Nachricht, dass Elmar, ein Freund und tief in meinem Herzen, verstorben ist.
Noch kann ich meine Traurigkeit nicht in Worte kleiden und bin in Gedanken bei seiner geliebten Frau.
So veröffentliche ich in Erinnerung an ihn und unsere wunderbare Freundschaft, die von Liebe und gegenseitiger Wertschätzung geprägt war, ein Kapitel aus meinem Buch "Liebe Mutti", das von ihm erzählt:
"Elmar
war bei uns, unser Freund seit vielen Jahren. Er versäumte es nie, uns während
seiner Besuche in Europa zu besuchen.
Nun
ist es nicht einmal vierundzwanzig Stunden her, seit er bei uns ankam. Mehr als
neun Stunden sind bereits vergangen, seit er von uns Abschied nahm.
Langersehnte,
kurze, intensive Zeit des Glücks.
Ein
Wiedersehen nach über zwei verstrichenen Jahren. Spüren einer Freundschaft, die
vor sechzehn Jahren (*Anmerkung: heute sind mehr als 41 Jahre vergangen, seit
wir uns kennenlernten) begann, die einer
überwiegenden Trennung von mehr als dreizehn Jahren und einer Entfernung von
acht Flugstunden standhält. (*Anmerkung:
heute sind mehr als 41 Jahre vergangen, seit wir uns kennenlernten)
Bei
seiner Ankunft wieder dieses intensive Gefühl der Nähe und das grenzenlose
Erstaunen hierüber.
Eigenartig
vorher dieses fiebrige Erwarten der Ankunft, dann die Freude, die nicht zu
bändigen ist, bei der das Herz mehr Raum benötigt, die die Enge der Haut
spürbar macht, die aus den Augen hervorbricht und den Mund strahlen lässt.
Freude
- bei der die Worte sprudeln wollen und die letztendlich doch sprachlos macht.
Fassungslose
Erleichterung, weil die Umarmung genauso herzlich ist wie früher, das
altbekannte Funkeln in den Augenwinkeln blitzt und sein strahlendes Lächeln
Worte überflüssig macht.
Und
auch:
die
Angst, die sich einschleicht, ob nicht überreizte Sinne die Wahrnehmung
verwirren, Gefühle Clownsspiele treiben und dies Glück gar nicht existiert.
Zurückhaltender
schon - vorsichtiges Tasten.
Es
werden Entfernung messbar, verflossene Monate spürbar.
Ein
kaum merkbares Klimpern seiner Augen: wie vertraut es ist - wie lange schon
vermisst. Es reißt kaum errichtete Mauern ein, bietet der Erleichterung Raum.
Natürlich
sind Monate verflossen, die man nicht gemeinsam erlebte, natürlich ist die
Entfernung nicht nur in Kilometern zu messen und natürlich gibt es nicht nur
Ländergrenzen...
Das
gegenseitige Verlangen, Verflossenes nachzuvollziehen, Vergangenes greifbar zu
machen, bietet aufkommen wollendem Schmerz kein Platz.
Kurz
nur die zur Verfügung stehenden Stunden -
unaufhaltsam
die tickende Uhr.
Noch
intensiver die Gedanken, mutiger die Worte im Wettlauf mit der verrinnenden
Zeit.
Zum
Zerbersten beteiligt alle Sinne, bereit, die Kostbarkeiten aufzunehmen.
Und
doch:
es
bleiben Gedanken verborgen, Worte unausgesprochen, es bleibt der Wunsch
festzuhalten.
Stärker
die Sehnsucht nach Nähe.
Heute
Morgen fuhr er fort.
Die
Tränen in seinen Augen- eigentlich hatte ich sie nicht erwartet und doch
überraschten sie mich nicht.
Überrascht
haben mich seine Worte: „Ich bin froh, dass du lebst...“ Verbannt
die Wäsche des Gästebettes in die Waschmaschine, anvertraut den Duft seines
Rasierwassers dem geöffneten Fenster des Gästebades, verankert die unstillbare
Sehnsucht in jede Kammer des Herzens.
Spürbar
in jedem Raum seine Nähe.
Aufbewahrt
im Innern die Gefühle, die wiederum ausreichen um zwei Jahre zu überbrücken.
Kostbar
das Erinnern an jede Minute seines Hierseins.
(c) Annette Gonserowski
´Lebe wohl, geliebter Freund. Du bleibst in unseren Herzen.