Eigene Lyrik, Fotos und Bilder




Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.








4. April 2014

Mal kein Gedicht




Fotos: Atelier Albrecht, Meinerzhagen


Wiedersehen
(für einen Freund)

Sie öffneten die Tür zum Restaurant.
Gleich würden sie ihn wiedersehen.
Er war nach 12 langen Jahren aus seiner Heimat ins kleine beschauliche Sauerlandstädtchen zurückgekehrt, stand nun seinem Sohn in dessen Restaurant mit Rat und Tat zu Seite.
Nahezu 30 Jahre war es her, dass sie sich kennengelernt hatten.
Sie waren jung damals und fröhlich und gut aussehend, das fanden sie jedenfalls.
War das lange her.
Damals war in beiden Familien ein junger Hund eingezogen. Mit beiden Hunden – ihrer war ein Airedaleterrier gewesen, der andere war ein Bouvier – hatten sie sich zur Ausbildung im Schäferhundeverein angemeldet. Beide Hunde waren sozusagen Exoten zwischen den gelehrigen Schäferhunden und bei weitem nicht so gut erzogen, wie diese. Auch nicht nach Vollendung der Ausbildung. Aber Spaß und Freude hatte es gemacht. Gelacht hatten sie viel.
Die Zeit war über das Land und er und seine Familie in seine Heimat gezogen- sie hatten sich aus den Augen verloren.
Und jetzt waren sie wieder da. Wie schön!
Und schon standen sie vor ihm und die Freude war riesengroß! Umarmungen, Küsse rechts und links auf die Wangen und die Augen leuchteten wie einst!
Besonders sie freute sich unbändig: was hatten sie für fröhliche Stunden miteinander verbracht.
Der Freund, der sie begleitete, schien erstaunt: „Er freut sich richtig doll.“
„Ja“ erwiderte sie: „Er sieht uns vielleicht noch mit unseren dunklen Haaren. Sieht mich immer noch als junge Frau. Nun sind meine Haare schon weiß. Seine sind ja noch so schön schwarz, wie einst.“
Der Freund schaute sie irritiert an: „Bitte? Was meinst Du damit? Seine Haare sind doch auch grau.“
„Nein“ entrüstet schaute sie ihn an, „Seine Haare sind noch schwarz. Genauso wie früher.“
Sie hatten mittlerweile an einem Tisch im Gastraum Platz genommen.
„Na, warte mal ab, wenn er gleich an unseren Tisch kommt.“ Der Freund lächelte.
Und schon kam der Besprochene, brachte die Getränke auf den Tisch.
Verstohlen schaute sie auf sein Haupt. Und wirklich, sie konnte es nicht fassen: seine Haare waren ebenso grau wie die ihren und die ihres Mannes.
Der Freund schmunzelte: „Ich frage mich, wer wen noch als jungen Menschen vor den Augen hat.“
Sie lachten, wieder war da die Fröhlichkeit und die vergangenen Jahre nicht mehr sichtbar.

© Annette Gonserowski

1. April 2014

Kein Blick



Kein Blick
auf den Fluß.
nur Schwingen der Vögel
dunkel im Grau,
nur Schlagen der Wellen
gegen das Land,
nur Tuten der Schiffe
im Unwegsamen.

Doch die Bilder
hinter geschlossenen Lidern,
von treibenden Wellen,
von ziehenden Schiffen,
vom aufsteigenden Vogelschwarm,
bunt und nah.

(c) Annette Gonserowski
30.03.2014
Im dichten Nebel war die Elbe nicht sichtbar

31. März 2014

Kierspe - Worpswede



Sonne! -
wie vor 40 Jahren,
die Freude,
die Zweisamkeit.
Heute,
an einem anderen Ort,
umgeben von Kunst
und fröhlichem Geplauder,
lauschen wir entspannt
dem Vogellied.

(c) Annette Gonserowski

29. März 2014

Vor 40 Jahren



meinem Mann mit Dank gewidmet





Wo ist die Strecke geblieben,

unseres gemeinsamen Weges?

Wir sind sie gegangen.



Wo sind die Blumen geblieben,

das Lied und all die Freuden,

über die sich die Sonne ausschüttete,

über die Stürme den Regen trieben,

den Schnee und das Eis?



Sie

gibt es

noch immer.



Wo sind die Steine geblieben,

über die wir stolperten,

fielen, uns verletzten,

uns Wunden rissen,

dass wir weinten?



Sie rollten

vom Herzen

und es heilte.



Wo sind die Menschen geblieben,

die unseren Weg kreuzten,

mit uns gingen

mit uns weilten

und fortzogen –



einige blieben an unserer Seite,

viele im Herzen

für immer.



Was ist von uns geblieben,

nach diesem Weg?

Wir blieben einander

durch Berg und Tal,

mal nah und mal näher,



wir verloren uns nicht,

nicht Du Dich, nicht ich mich,

nicht Du mich, nicht ich Dich.



Unerschütterlich

das Vertrauen und die Zweisamkeit.

Wir nennen es Liebe.


© Annette Gonserowski

21. März 2014

Gedanken am Sternplatz



Auf diesem Platz
inmitten der Häuser,
über den die Menschen eilen
von dieser zu jener Straße,
über den die Tauben fliegen
auf dem nur das Standbild still steht,
weile auch ich.

Denke mich

von dieser zur jenen Seite,
hinter diese und jene Stirn,
in die vermeintlichen Gedanken
der Eilenden
und wieder hinaus
auf den Platz
und darüber
hin zu den Tauben,

fliege....

(c) Annette Gonserowski

13. März 2014

Galerie auf Zeit


Gestern haben wir die Galerie auf Zeit, Kierspe, Friedrich-Ebert-Str. 351, neu bestückt.
Das Thema dieses Monats ist "träumen".

Ich hab u.a. das nachstehende Gedicht ausgestellt:




Erwachen

Ich nenn das letzte Wort
des Traums,
das mich erwachen ließ,
noch lächelnd,
das den Gedanken gab,
den ersten dieses Tags,
der mich voll Sehnsucht macht
und Traurigkeit:
Du.

© Annette Gonserowski

12. März 2014

Augenblick


Unter blattlosem Baum träumen,
Seite an Seite,
Hand in Hand,
herznah.

Die Sonne spüren,
die Nähe,
die Wärme
des Augenblicks.

Horch,
in dem Stamm
fließt
das Leben.


(c) Annette Gonserowski

9. März 2014

Leben



Dieses Leben,
hautnah
neben dem Alltag,
in dem ich Ruhe atme,
ankomme
in Deinen und meinen
Worten.

Nichts
muss gesagt,
nichts
muss geschrieben
werden.

Vertrauend den Gedanken,
den Bilder,
dem Gleichen
sich aufmachen
mit leichtem Federschlag
in den Frühling.
in's Leben.

(c) Annette Gonserowski

6. März 2014



An der Kunstaktion "PostkArt2014" der Galerie Anschnitt Dortmund beteiligte ich mich auch in diesem Jahr.
Hierzu mußten 2 identische Postkarten geschaffen werden, von denen die eine ausgestellt wird und die andere an einen weiteren, beteiligten Künstler gegeben wird.

Ich verbinde damit stets ein Gedicht von mir und gestalte es.
Dieses ist mein diesjähriger Beitrag.

Das Gedicht dazu ist mehr als 30 Jahre alt :-)))



Tabularasa

Ich streich den Tag
an dem dein Brief nicht kam.
Ich streich die Freude
und die Hoffnung auch.
Das Foto, das mich nie erreichte,
streich ich,
auch die Erinnerung.
Ich streiche durch
bis Striche meinen Blick
durchstreichen und ich
nur noch Striche seh‘.
Oh, jetzt habe ich dich
auch gestrichen!

© Annette Gonserowski

Zurück zu den Wurzeln




Unter den Sohlen Moos
federnder Kinderschritte.
Noch einmal im Himmelhoch
den gleitenden Wolken folgen,
noch einmal vergessen
die Zeit und Vergangenes.

Horch, das nahende Klappern
des Pferdehufes
auf gestampften Boden -
wie es naht, ankommt,
sich entfernt und verklingt
in der Stille.

Auch jetzt Stille,
nah das Klopfen
des Bundspechts
auf rissiger Borke,
wie er pickt
in den Erinnerungen.

Hinter geschlossenen
Lidern
das Leben,
vergangen
in der Schnelle,
der Zeit.

(c) Annette Gonserowski
geschrieben 04.02.2014, als ich meinen "Kinderwald" betrat.

5. März 2014

Nur einen Spalt



Nur einen Spalt
das Fenster öffnen,
noch weilen
in diesem letzten Wort,
in den Farben
vieler Bilder,
in den Pigmenten
des Vergangenen,
nachspüren
dieser Liebe.
Nur einen Spalt
das Fenster öffnen,
hereinlassen das Vogellied,
den erwachenden Tag.

(c) Annette Gonserowski

Dieses Gedicht schrieb ich heute Morgen, nach dem Lesen des letzten Wortes des Buches "Selbstporträt"
von Helene und Wolfgang Beltracchi. Es hinterließ mich nachdenklich.

3. März 2014

Preisverleihung des Literaturpreises

Bei der Preisverleihung


Ich hatte die Ehre, die Preise des vom Autorenkreis Ruhr-Mark e.V. ausgelobten Literaturpreises an die Preisträger für Lyrik übergeben zu dürfen.

Der 1. Preisträger, der Lyriker Michael Starcke aus Bochum, erlaubte mir, eines seiner Gedicht und das Foto zu veröffentlichen. Das Gedicht entstammt dem Buch "Nebenbei", das zu seinen Ehren erschien:

und dann noch einmal spinnen mit dir

und dann noch einmal spinnen mit dir
vom tiefen süden, wo die sonne
so alltäglich ist wie zitronen,
und dann noch einmal heulen mit dir
vor freude und fast vergessenem glück,
und dann zurück ins normale

und dann noch einmal hoffen mit dir,
das wesentliche in der umarmung
zu sagen, eh' es vollbracht ist,
und dann noch einmal leiden mit dir,
eh' uns die kleinen unterschiede
trennen, sich öffnen dem anderen,
und dann zurück ins normale.

(c) Michael Starcke

Ich möchte seine Bücher sehr empfehlen.

1. März 2014

Große Freude



Bei der Preisverleihung des vom Autorenkreis Ruhr-Mark e.V. ausgelobten Literaturpreises, der unter dem Thema Prisma stand, hatte ich nicht nur die Ehre, die Preise an die Preisträger übergeben zu dürfen, sondern ich wurde überrascht und selbst geehrt durch das Crueger-Trio, das den musikalischen Rahmen bot:

Georg Neukirch, Mitglied des Trios, komponierte den Tango "Annettangoki" und widmete ihn mir.
Die Uraufführung des Werkes und die Übergabe der Noten machte mich nahezu sprachlos vor Freude!