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20. August 2007

Kierspe-Zyklus II





In "meiner"alten Schule
Gleiche Räume, neue Gestaltung

Kierspe

Du kleine Stadt im Kerspetal,
was bist Du mir?

Du bist mir Kindheit
in den Wiesenauen,
bist Spiel am Bach,
bist Unbekümmertheit und Freude.
Zwischen Mädesüß und Schmetterling
wurd mein Lachen nicht verweht,
nicht Glücklichsein,
es blieb im Wiesengras
und mischt sich nun mit neuem Kinderlachen.

Du bist mir Stille
in der Kirche,
die in des Dorfes Mitte steht,
bist Andacht, Glaube und Erwartung.
Hier bist Du das,
was in den Spähren schwingt,
ungreifbar, spürbar, transzendent.
Hier bist Du Wunsch nach Frieden,
bist Bleibenwollen, Wissen vom Vergehn.

Du bist mir Lernen
in der Schule, sie steht dort droben an dem Hang,
bist Eifer; Neugier, Wissbegier.
Hier trieben Wurzeln,
aus denen Triebe in das Leben rankten,
an denen ich mich hangle, lebenslang.
Hier gab man mir das Korn,
das in mich sank und keimte,
aus dem die Worte sprudeln.

Du bist die Unrast
auf den Wegen,
die durch das Dorf und aus ihm führen.
Hier lauschte ich der gleichen Sprache,
sah Menschen kommen, bleiben, gehen.
Ich sah Vertrautes und vertraute.
Hier war nichts fremd, was mir begegnete,
doch vieles wurde mir fremd,
als ich in der Ferne war.

Du bist mein Elternhaus,
die Wiege meines Seins.
Hierhin wurde ich geboren,
hier wuchs ich auf mit Jung und Alt,
hier lernte ich leben.
Hier wurde es vorgelebt,
was mir zueigen wurde:
lieben, achten Mensch und Tier,
hier wurde ich geliebt, bedingungslos..

(c) Annette Gonserowski

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