Eigene Lyrik, Fotos und Bilder




Dieser Blog wird durch das Deutsche Literaturarchiv Marbach archiviert.








21. Oktober 2012

Meinem Zwilling







Den Abschied aushalten,
den Tod,
die Stille aushalten,
die Leere, 
die Gedanken zulassen,
die Traurigkeit,
das Vermissen ertragen,
die Endlichkeit,
weinen.

(c) Annette Gonserowski 

16. Oktober 2012

Meinem geliebten Zwilling



Es ist die Stille,
die so tröstend ist.
Kein Wort,
kein fremder Atemzug
steht zwischen uns.

Heut, 
wo die Blätter fallen
und die Vögel ziehen,
soll ich Dich gehen lassen.
Wie trügerisch ist der Gedanke.

Du warst mit mir
im Mutterleib,
warst bei mir unser ganzes Leben.
Du bist in mir
und in der Stille lebst Du fort.

(c) Annette Gonserowski

Vorbei

Zogst mit
dem letzten Vogelschwarm.
Kein Halten mehr!
Dein Duft,
ihr Schrei
verweht im Wind.
Vorbei - vorbei.
-
Such Spuren
nun im Abendrot.
Such Dein Gesicht.
Nur einen Hauch!
Nur einen Ruf
im Dämmern noch!
Vielleicht - vielleicht.
-
Unter'm letzten Blatt
am kahlen Zweig:
die Feder dort!
Ein Atemzug?
Ein Flügelschlag?
Wolken treibt
der Wind - der Wind.
 
(c) Annette Gonserowski
Dieses Gedicht schrieb ich für meinen Vater - nun ist es auch für seinen jüngsten Sohn, meinem geliebten Zwilling.

13. Oktober 2012

Traurigkeit



Es fiel ein Blatt,
das gestern grün
und voller Hoffnung war.
Es schwebte
sanft zur Erde
wie der Traum,
der im Erwachen
schwindet,
der Sehnsucht
in sich trägt,
wenn er uns streift
in Tagesstunden,
und wir weinen.


(c) Annette Gonserowski


12. Oktober 2012

Abschied






ca. 1977

ca.1978




 

Zwillingsgeschwister

für meinen Bruder Ulrich

Entsprungen sind wir einer Knospe,
geweckt hat uns ein Sonnenstrahl
-         zwei Blätter eines Baumes.

Zur selben Zeit sind wir gewachsen,
derselbe Sternenglanz traf unser Ohr,
uns traf gemeinsam Licht und Schatten.

Zwei Winde trennten unsere Zeit,
angstvoll sah ich Deinen Flug,
sah den gelösten Freudentaumel.

Der andere Wind riss mich dann mit,
ließ auch mich freudig tanzen
und trug mich fern von Dir.

Dort traf uns doch der eine Regen
und auch derselbe Tag.
Derselbe Wind hob uns empor,

ließ uns einander streifen
und trennte unseren Weg
zum selben Ziel des Humuswerdens.

(c) Annette Gonserowski
aus: Zwischen den Sonnengängen ca. 1984 
Mit diesem Gedicht nehme ich tieftraurig Abschied von meinem geliebten Zwillingsbruder. Er war meine zweite Hälfte.

9. Oktober 2012

Am See




Über dem Wasser
Libellen im Liebeswerben,
die Vögel im Flug.

Auf seinem glatten Spiegel
die Blätter der Ulme,
unser Bild - vertraut und nah.

(c) Annette Gonserowski

4. Oktober 2012

Heideherbst II



Dort, wo der Himmel
aufriß
ins Augenblau,
die Hufe der Pferde
trommelten
auf zerrinnenden Sand,
such ich die Spur
Deiner Worte -
Silbe um Silbe
verweht.

Nur noch Dein Lächeln
im Heidegras,
noch noch die Nähe
in dunkler Frucht.
In den Zweigen
die Vögel,
bald flüchtend
vor Kälte uns Eis,
nehmen sie mit -
unsere vergangene Zeit.

(c) Annette Gonserowski

2. Oktober 2012

Flohmarkt



Auf den Tischen Dinge
aus vergangenen Zeiten:
eine Kaffeetasse mit Goldrand,
der Kelch,
der Hut mit der verlorenen Feder.

Wir stehen davor,
erkennend,
erinnernd -
wieder weit und schutzlos
unser Herz.

Du lächelst mich an -
ich drück Deine Hand -
unvergänglich dieses
seit alter Zeit.

(c) Annette Gonserowski

30. September 2012

Im Mondlicht





Im Mondlicht
schimmert silbern Dein Haar.


Wo sind die Jahre geblieben?
Die Eiche am Wegrand
trägt sie in Ringen im Stamm.

Warst Du glücklich,"
fragst Du mich,
"damals, als die Blätter fielen
im Sturm?"

"Bist Du glücklich, heute?"
frage ich Dich

und wir lächeln.

(c) Annette Gonserowski

11. September 2012

11. September

Holocaustdenkmal in Berlin
 
 
Ganz oben
zwischen Wolken
und Sonnenstrahlen,
fernab der Erde,
fern des geschäftigen Treibens,
fern jeglichen Lärms,
dem Himmel nah,
Träume von Liebe und Leben.

Träume vom Sterben
und ewigem Leben
im Flug eines Irren
durchbrach
die Mauern
der Stille.
Lodernde Flammen
in brechenden Blicken.
Das weiße Laken,
Botschaft des Friedens,
am Fenster,
zwischen berstenden Mauern,
zwischen fallenden Steinen,
begraben
unter Asche und Schutt
wurde Totentuch.
(c) Annette Gonserowski
dieses Gedicht setzte ich traditionell zur Erinnerung an den Anschlag in NY an jedem 11.9. in den Blog.

20. August 2012

Dialoggedicht



Wo der Ginster blühte

Die Tage werden kürzer
Die Jahre wollen mich einholen
Schatten sind meine Begleiter

Wo der Ginster blühte
Noch im Frühling will ich
auf den Herbst warten.

(c) Gerhard Rombach

Jahr

Ob ich weile
oder eile -
die Zeit zerrinnt.

Der Frühling
verblühte,
der Sommer
verglühte -
bald wird es Herbst.

Es reifen
die Reben,
im Licht
Spinnenweben,
die Haare ergrauten.

Jetzt die Worte,
die Sommerorte,
bewahren.

(c) Annette Gonserowski

12. August 2012

Blattschatten

Gedicht (c) Annette Gonserowski, Übersetzung (c) Pawel Dydak

Dialoggedicht



Mit den Kranichen

Einen Libellenflug lang
währte der Frühling und nur
eine Sommernacht die Liebe

Reue und Sehnsucht
bringt der Herbst

Ich will mit den Kranichen
nach Süden ziehen und
vergessen was nie war

(c) Gerhard Rombach

Warten

Warte auf die Vögel
im Abendlicht
dieses vergangenen Tages.

Der Sommer war kurz.
Wortlos viele Stunden -
sie kehren zurück
in der Dämmerung.

In den Träumen nun,
flüchtig und zärtlich,
die Sprache der Liebe.

(c) Annette Gonserowski

5. August 2012

Besuch bei Annette von Droste-Hülshoff












Gestern wandelte ich auf den Wegen meiner Namensvetterin Annette von Droste-Hülshoff.
Das Eintauchen in ihr Werk, den Geschichten über sie und in ihren Lebensräumen in Burg Hülshoff und im Rüschhaus öffnete mir eine neue Sichtweise auf ihre Schriften.

30. Juli 2012

Fritz Linde-Museum




Das Fritz-Lindemuseum wurde in der vergangenen Woche eröffnet.
Am jeden ersten Dienstag im Monat ist das Museum von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Dort sind alle Werke und viele Dinge aus dem Leben des Heimatdichters ausgestellt.

Aber auch der literarische Nachlass von Anny Wienbruch fand dort eine Bleibe.
Exemplarisch für die ausgestellten literarischen Werke möchte ich ein Gedicht von Anny Wienbruch veröffentlichen, das sie im März 1919 schrieb, also kurz nach Ende des 1. Weltkrieges. Es hat von seiner Aktualität nichts verloren.
Mich berührte gerade dieses Gedicht sehr.

24. Juli 2012

Spinnenweben



Spinnenweben,
sagst Du,
legst das Netz
über die Stunden -
verschleiert
der Blick,
gefangen
die Freude,
auf den Gedanken
sitzt dunkel und lauernd
die Spinne.

(c) Annette Gonserowski

18. Juli 2012

Sonnenträume - Słoneczne sny - sunny dreams

11. Juli 2012

Vor mehr als 35 Jahren.....





Erinnern

heißt

sich wiederfinden.

A.G.

5. Juli 2012

Sommertag


Abendstimmung eines verklingenden Sommertages
 

Sommertag -
bei flirrender Hitze
über der Lichtung.
Hinter dem wilden Brombeerstrauch,
vertraue ich dem Wiegen der Tannen,
erhaben gegen das himmlische Blau,
glaube ich dem Schmetterling,
gaukelnd in der Duftschwere des Tags.
Da liege ich im umarmenden Farnwedel,
zeitlos in zeitloser Zeit,
da träume ich Herzschlag
in tanzende Schatten,
da träume ich
mit offenen Augen ins Licht,
da träume ich Lippen,
träume den neckenden Grashalm
in Deine Hand.

(c) Annette Gonserowski